28.06.2021

Schadentrends im Corona-Jahr 2020

Weniger Personenschadenfälle, mehr verletzte Fahrradfahrer während der Corona-Pandemie – das ist das Ergebnis einer ACTINEO-Analyse. Die eingeschränkte Mobilität während der Corona-Pandemie hat 2020 in Deutschland zu weniger Straßenverkehrsunfällen und damit zu weniger Personenschäden geführt. Auswertungen von ACTINEO ergeben, dass insbesondere die Pkw-bezogenen Personenschadenfälle stark abnahmen. Der Anteil an geschädigten Fahrradfahrern nahm dagegen laut eigenen Daten im Vergleich zum Vorjahr deutlich zu. Konstant blieben während des Corona-Jahres die Top-Diagnosen und die Schwere der Schäden.

Laut Statistischem Bundesamt gab es in Deutschland während der Corona-Pandemie 2020 rund 16 Prozent weniger Straßenverkehrsunfälle als ein Jahr zuvor. Eine Analyse der Personenschadenfälle aus der Sparte Kfz-Haftpflicht, die ACTINEO in dieser Zeit im Auftrag von Versicherungskunden verarbeitet hat, verdeutlicht, dass während der Lockdowns im April und Dezember 2020 rund 40 Prozent weniger Pkw-bezogene Personenschadenfälle bei ACTINEO erfasst wurden als in den Vergleichsmonaten im Jahr 2019. Dabei sank insbesondere die Zahl der gemeldeten Verletzungen bei Pkw-Unfällen.

Trotz des absoluten Rückgangs an Unfällen im Corona-Jahr blieben die verursachten Verletzungen in der ACTINEO-Analyse nach Diagnosen anteilig gleich: Die Zahl der Verstauchungen und Zerrungen der Halswirbelsäule nahm zwar stark ab, die HWS-Distorsion war aber weiterhin die häufigste Diagnose nach einem Unfall – gefolgt von Prellungen des Thorax, des Knies, der Schulter und des Oberarms und schlussendlich Prellungen der Lendenwirbel- und Kreuzbeinregion oder des Beckens.

Unverändert blieben während des Corona-Jahres 2020 laut ACTINEO-Daten auch die Anzahl der ICD‘s pro verletzter Person und Unfall, der Anteil der F-Diagnosen (psychischen Diagnosen) und die Schwere der Schäden.

Weniger Pkw-Unfälle, mehr Fahrradunfälle

Eine Analyse der Anspruchsteller, die bei den ACTINEO-Versicherungskunden einen Unfall meldeten, ergab, dass während des ersten Lockdowns im April 2020 der Anteil von Unfallgeschädigten mit Pkw-Beteiligung um 18 Prozent geringer war als im Vergleichsmonat 2019. Im Juli 2020 waren es anteilig immerhin noch sieben Prozent weniger Fälle dieser Art als im Juli 2019.

Mit der Abnahme der geschädigten Pkw-Insassen im April 2020 nahm der Anteil an geschädigten Fahrradfahrern laut ACTINEO-Zahlen im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent zu (siehe Grafik 2). Auch im Corona-Sommer 2020 und in der kühleren Jahreszeit im Herbst 2020 entschieden sich die Menschen eher für das Fahrrad als in den Jahren zuvor, was an der anteilig höheren Quote an geschädigten Fahrradfahrern von acht Prozent in den Monaten Juli und November 2020 im Vergleich zu 2019 erkennbar ist.

Kraftfahrtversicherer machen Milliarden-Gewinne

Die Kfz-Versicherer können sich aufgrund dieser Entwicklungen im Corona-Jahr 2020 über zusätzliche Gewinne freuen. Laut einer Analyse der General Reinsurance (Gen Re) – vorgestellt im Mai 2021 auf dem Business Forum21-Kongress „Mobilität & Kfz-Versicherung“ – hat die Pandemie den Autoversicherern in Deutschland einen Sondergewinn von 5,8 Milliarden Euro beschert. Demnach lag die Combined Ratio (Schaden-Kosten-Quote) im Jahr 2020 bei nurmehr 87,5 Prozent. 2019 lag sie noch bei 98,4 Prozent. „Das Corona-Jahr wird im Kontext des Personenschadens mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ein Ausnahmephänomen bleiben“, prognostiziert Olav Skowronnek, Gründer und Geschäftsführer von ACTINEO. „Dank Inzidenzeindämmung, Impffortschritt und jahreszeitbedingtem Rückgang der Corona-Infektionen werden wir die Pandemie bald so weit überwunden haben, dass uneingeschränkte Mobilität möglich sein wird. Die Rückkehr zu den Schadenzahlen von vor Corona wird dennoch eine Weile dauern. Ohne jeglichen Corona-Effekt würde die Combined Ratio 2021 nach Gen Re-Berechnungen 103,5 Prozent betragen. Die anziehende Mobilität wird uns also schnell vor Augen führen, dass die Erhöhung der Produktivität in der Schadenregulierung beispielsweise durch eine Digitalisierung von Produkten und Prozessen weiter konsequent vorangetrieben sollte.“